Einschläge in Johannesburg

February 17, 2010

Himmel, bewoelkt.
Raketenangriffe, Bombeneinschläge ganz in der Nähe. Diese Geräuschkulisse geht weit über einen präsidialen Koitus hinaus. Das gesamte Haus vibriert, endloses Dröhnen. Und die Südafrikaner?
Als wenn nichts wäre, keine Reaktion. Nur der Nachbar macht das Fenster zu, wegen des Krachs. Er hört Kwaito und schraubt an seinem Fahrrad herum, er will eine Schutzkonstruktion anbringen. Um beim Radeln das spritzende Wasser abzuwehren. Er ist einer der wenigen, die hier in Johannesburg mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren. Und Schutzbleche gibt es hier keine. “Das ist etwas für Europäer,” hat man ihm in DEM Bikeshop in Linden gesagt, “die fahren mit dem Rad zur Arbeit, die brauchen so was wie ein Schutzblech”.
Plastik, schützend.Bongani behilft sich also jetzt sich mit einer durchgeschnittenen Plastikflasche, die er unter den Sattel schraubt. Diese Konstruktion mag ihn gegen den roten Dreck schützen, der vom Hinterrad aufgewirbelt wird. Es hält aber nicht den Dreck des Vorderrades ab, der ihm ins Gesicht spritzt. Und erst recht nutzt diese Plastikflasche nichts gegen die größte Gefahr im Straßenverkehr in Johannesburg: Taxifahrer. In ihren Kleinbussen sehen die so etwas wie Fahrradfahrer gar nicht. Es scheint so zu sein, dass die Taxi-Windschutzscheibe einen Filtermechanismus integriert hat, der Fahrradfahrer ausblendet. Gleichzeitig scheint dieser Filter in dem Fenster das Umschalten der Ampel auf Grün mit einem Vorsprung von fünf Sekunden anzuzeigen. Die Taxis fahren immer als erstes, wenn die Ampel noch rot ist. Und immer schaltet die Ampel auf grün, sobald die Taxis mitten auf der Kreuzung ist. Bongani behauptet, die Taxis würden durch ihr Losfahren das Umschalten der Ampeln auf Grün erst auslösen.
Vor Taxis muss man sich als Fahrradfahrer in Johannesburg besonders in Acht nehmen, im Grunde aber vor allen Kraftfahrzeugen. Es gibt Hügel, Regen, und ganz logisch daraus folgend, keine Fahrradfahrer. Deshalb wissen die regulären Verkehrsteilnehmer auch nicht, wie damit umzugehen ist, wenn dann doch mal so ein strampelndes Männlein auf zwei Rädern aus dem nichts auftaucht.

Jetzt wird es durchgängig laut, richtig laut, jetzt knallen die Eisbrocken in Salven vom Himmel. Es scheint eine neue Art von Waffe zu sein, die gerade auf Johannesburg abgeschossen wird. Und spätestens mit Beginn des Regens kommt die Ahnung, dass das da draußen kein Militär- sondern Niederschlag ist. Ein Gewitter, das wieder quadratmetergrosse Teerflächen auf den Hauptstrassen wegspülen wird. Wie Einschlagskrater. Ein nächstes Hindernis für Fahrradfahrer.
“Normal” zeigt der Gesichtsausdruck von Bongani an. Hier in eGoli, wie Johannesburg auf isiZulu genannt wird, heißt es, die Erde sei nicht nur goldgetränkt (“Goli” = Gold), die Erde sei auch magnetisch. Unwetter und Blitze werden richtiggehend angezogen und dann entladen die sich mit einem Krachen, wie ein Raketeneinschlag.
Wolke, himmelig.

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