Babelhaft

March 3, 2010

Carlton, tower.

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Das ist es hier, Top of Africa, auf der Aussichtsplattform des Carlton Towers. Hoeher geht es nicht mit dem Aufzug, mit keinem Aufzug in Afrika. Im Norden, die Pyramidenform, das ist nicht Gizeh sondern Sandton, Uptown Johannesburg. Ringsum das Hochhausmeer ist nicht Manhatten sondern Johannesburg Central Business District. Downtown Johannesburg, Nachts nahezu tot, tagsueber schwarz. Nur die Downtown-Gebiete, die als ‘wirklich gefaehrlich’ gelten, auf in denen sieht man auch in tiefer Dunkelheit noch die eine und den anderen Fussgaenger. Als ‘sicherer’ eingestufte Stadtteile sind tatsaechlich ausgestorben.
Afrika, obig.Die Sprachverwirrung rund um den Carlton Tower ist nur fuer einen Fremden beaengstigend, ein aelterer und bibelfester Tourist wuerde sich vielleicht an den Turm zu Babel erinnert fuehlen. Die Bewohner Suedafrikas navigieren sich erfolgreich durch dieses Sprachchaos. Sie lernen und sprechen einfach einen Grossteil der Landes- und Zugezogenen-Sprachen, verstehen einander, kommunizieren. Da haette der alttestamentarische Zornesgott bloed hinter seinem weissen Bart hervor geschaut. Hat nicht ganz geklappt, die Menschen allein durch diese vielen Sprachen auseinander zu dividieren.
Street, straight.Hier am Fusse des babelhaften Turmes ist aber gar kein Gott, kein weisser und kein schwarzer. Immerhin, Kirchen findet man, zum Lobpreis des Herren, auch die “All for Jesus Ministries.” An Wochentagen herrscht Gewuehle und Gedraenge, hier hupen sich die Taxis durch die Planquadrate. Nur am Wochenende ueberwiegt die Stille, auch tagsueber. Dann traut sich der Uptownbewohner nach Downtown, knattert der VW Kaefer hinein in die Katakomben der Tiefgarage des Carlton Towers.
Carlton, labyrinth.
“Wie kommen Sie denn hier her, wo ist ihr Reiseleiter?”
Der Lift zurueck nach unten ist noch nicht da.
“Oh, wir haben keinen Reiseleiter, wir sind alleine unterwegs.”
Der Frager laechelt: “Sehen Sie, es ist gar nicht so gefaehrlich hier her zu kommen, wie es immer in den Medien behauptet wird. Bestimmt kommen Sie aus Deutschland. Nur die Deutschen trauen sich einfach so nach Downtown. Mit dem eigenen Auto.”
Dann muss er sich wieder um seine beiden asiatischen Touristinnen kuemmern. Als sich die Aufzugstuer schiesst fangen die beiden Asiatinnen an zu tuscheln, Unverstaendliches.

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